Wie trafen sie sich?
In den späten Siebzigern arbeiteten Wim und Manfred für die N.S.W. Regierung in Sydney.
Wim war der Gastronomiemanager im State Office Block und Manfreds Chef. Manfred arbeitete im Lager, Geschäft und als Kellner. Weil beide die einzigen "Europäer" dort waren, unter alle den Aussies, hielten sie auch gleich zusammen. Sie wurden aber dort nicht von jedem gemocht. Wim, von seinem Chef, weil er versuchte, einige neue Ideen einzubringen und Manfred, weil er dem Chefkoch nicht genug aus seinem Lager zu saufen gab.
Es wurde eine Freundschaft zwischen Wim und Manfred, auch über die Arbeit hinaus. Und sie fanden heraus, dass sie fast dasselbe Weltbild und viele Interessen hatten. Diese Ansicht teilte auch Wims Frau Sonja.
Wir waren am Alternativen Leben interessiert.
Wie es begann?
Wim hatte schon Land in der Umgebung von Campbelltown gekauft. In Wedderburn.
Es wurde Überlegt ein Haus zu bauen, dass nur auf die gefundenen Resoursen des Landes zurückgreift.
dort gab es:
Viel Holz- da war etwas Wald auf dem Land
Viel Platz
Am Allerbesten: es gab einen Damm oder Teich mit Wasser der am Ufer über die Jahre Lehm aufgebaut hatte.
Spinnen und Schlangen
Viel Sonne
Es gab nicht:
Genug Regen
Eine Unterkunft
Erde oder Boden wo man was "anpflanzen" könnte
Elektrizität und fließend Wasser
Wim und Sonja kannten einen Architekten, den Ry, der herausfinden sollte ob man da bauen kann und eine Baugenehmigung zu besorgen.
Dann ging alles ganz schnell. Ry mochte die Idee vom Lehmhaus und zeichnete einen Plan. Als sein Honorar berechnete er denselben Stundenlohn für sich, den Wim bekommt.
Die Pläne zu bauen wurden von der Stadtverwaltung genehmigt und es konnte gebaut werden.
Wir mussten uns aber noch über einige Dinge informieren:
Grassdächer
Perma Kultur
Windenergie
Was ist mit Wasser?
Und und und ...
Wir machten Ausflüge in N.S.W. um uns andere Häuser anzusehen, die Leute selbst gebaut hatten und dort alternativ wohnten.
Es wurde ernst.
Zuerst mussten wir drei irgendwo unterkommen. Wir dachten darüber nach, einen alten Doppel Decker Bus zu Kaufen. Wir malten uns aus wie schön es währe in einem Doppel Decker Bus…oben die Schlafzimmer und unten ein kleines Café. Manfred, sollte dort permanent wohnen usw.… Aber die Realität war anders. Ein Doppeldeckerbus war zu teuer zu kaufen. So beschlossen wir einen Wohnwagen zu kaufen.
Wir kauften diesen Wohnwagen von einem Schweden in Sydney.
Den stellten wir in die Nähe der Baustelle wo wir das Lehmhaushaus bauen wollten
Ry hatte die Baustelle zuvor schon abgesteckt. Das war auch das Letzte was wir von ihm sahen.
Der Anfang
Dann begannen wir. Wim brachte seinen alten ausgedienten VW 1500 Fliessheck, mit einem Anhänger, so dass wir Dinge von A. zu B. transportieren konnten, die Wege auf dem Land waren weit.
Ein Freund schweißte uns zwei Formen aus Blech damit wir die Mud Bricks einheitlich machen konnten.
Wir kauften eine Schubkarre; Gummistiefel; Schaufeln; Plastikfolie;
Wir fingen an zu arbeiten, als wenn wir vorher nie etwas anderes getan hätten. Es war schwere Arbeit, und wir wurden leicht müde. Manfred pflegte manchmal in der Schubkarre zu schlafen. Niemand von uns arbeitete schwer bei unseren normalen Jobs. Wim hatte einen neuen Job: Er musste eine Schule für Gastronomie in Ryde ganz neu aufbauen. Sonja arbeitete für die Einwanderungsabteilung und Manfred im Royal North Shore Krankenhaus. Wir kamen nur am Wochenende, um die Mud Bricks zu machen, und schliefen im Wohnwagen. Für jeden Stein den wir herstellen, machten wir einen Strich in den Wohnwagen, also wussten wir immer wie weit wir waren. Manchmal fuhren Wim und Manfred den weiten weg innerhalb der Woche um die Mud Bricks "umzudrehen", bevor es regnete.
Manfred zog in Wims und Sonjas Wohnung in Artarmon.
Weil wir die Arbeit im Lehm mochten, nannten wir einander "die Mudpigs".
Wie man die Mud bricks machen kann?
Der Lehm wird von den Seiten des Damms abgegraben.
Wir haben den Lehm auf einer Plastikfolie mit den Beinen gestampft
Nachdem er eine glatte Konsistenz hatte, wurde er mit etwas Stroh gemischt.
Es wurde in die Formen gefüllt. Eine Form war für die Eck-Mud Bricks der Andere für die Mauer-Mud Bricks, wir brauchten aber viel mehr Mauer-Mud Bricks.
Für das Fundament mussten einige Ziegel mit Zement bereichert werden, weil sie ein bisschen mehr Stabilität brauchten. Die Konsistenz der Fundament-Mud Bricks musste genau stimmen.
Die Mud Bricks legten wir auf Plastikfolie, weil wir herausfanden, dass sie leichter waren, sich umzudrehen wenn sie in der Sonne trockneten.
Normalerweise dauerte es 4 Wochen bis sie trocken waren.
Wir stapelten die fertigen Mud Bricks neben der Baustelle und bedeckten sie mir Plastikfolie.
Es war eine schöne Zeit.
Das Haus wurde gebaut. Nach ungefähr zwei Jahren Planung und Vorbereitung. Ein Mud Brick wurde auf den anderen gelegt und das Haus wuchs und wuchs in die Höhe. Aus dem Haus wurde dann die Küche und als Dach wurde ein Grasdach gebaut. Wim wollte Blümchen darauf züchten.
Aber es gibt auch die Realität. Nichts bleibt immer wie es war. Manchmal trifft man halt eine schlechte Entscheidung. Man merkt erst später das man die Kurve nicht gekriegt hat, auch wenn man seinen eigenen Weg gehen wollte.
Manfred studierte in Sydney und er lernte eine Frau kennen, die nicht in das Konzept passte. Sie hatte andere Ideen. Die Mudpigs brachen auseinander. Später auch Wim und Sonja.
Aber wir hatten alle eine Intensive Zeit gehabt etwas zu verwirklichen und niemand wird diese Zeit jemals vergessen. Ein Highlight.
Wim müsste jetzt noch mehr schreiben, vielleicht mal wenn er will.
Nach ca. 25 Jahren trafen sich Wim und Manfred in Europa wieder. Ob es jetzt wieder ein Projekt gibt wird man sehen.
Am 14.11.2005 hat Wim dazugefügt:
Nachdem Manfred und Sonja das Team verließen hatte ich ein teilweise beendetes Haus und ich war am Punkt „of no return. (a point of no return)
In der Nähe, auch im Bush, wohnte der Kunstmaler Fred, der sein eigenes Haus auf alternative Weise und in seinem individuellen Stiel gebaut hatte.
Fred wusste viel über Haus Kostruktionen und er war für mich unersetzbar und half wo immer er konnte bei meinem Projekt. Dem Achteck Haus.
Er arbeitete auch als Kunstlehrer und hatte viel Kontakt zu Studenten die auch interessiert an alternativen Baumethoden waren.
In verschiedenen Stufen der Bauzeit kamen immer Studenten die halfen um das Projekt fertig zu stellen. Das war eine gute Erfahrung für sie, denn sie benutzten nur ihre Hände und hauptsächlich Lehm. Sie konnten auch sehen wie das Haus wuchs und interessant war nur mit Erde und Lehm als Bausubstanz.
Für mich war alles „dirt cheep.
Außer Lehmziegeln (mudbricks) benutzten wir auch Steine und Felsen die auf dem Land lagen. Wir bauten innen -und Außenwände damit. Um eine solide Wand zu bauen, d.H. ein Stein für innen und außen, muss man mindesten zwei glatte flächen haben damit die Wand stabil wird.
Eine Seite von dem Achteck-Haus war aus ernorm großen Glassscheiben die ich von einem Abbruch-Haus holte. Die Scheiben waren 10mm dick 1,80m hoch und 2,50m lang. Das sah sehr interessant aus.
Die Fußböden waren aus indischem Schiefer und Terra Cotta Fliesen von verschiedenen Gegenden.
Der Achteck-Haus Fußboden war Cypressen Holz, Nut und Feder. Cypressen Holz habe ich darum gewählt, weil es Termiten standhält. Das ist wichtig für Australien.
Wenn wir gerade von Ameisen sprechen:
Ich habe einen Weg um das Haus verlegt und habe versehentlich ein stück Holz liegen lassen. Als ich nach 10 Tagen zurückkam haben die Termiten das ganze stück Holz halb durchbohrt. Wenn ich es noch mal solange hätte liegen lassen, währe es weg gewesen.
